Kein Kind will Aufmerksamkeit! – 5 Dinge, die eine gute Erziehung ausmachen

Achtsamkeit ist ein Thema, dass sich über viele Bereiche des Alltags erstreckt. Deinem Körper kannst Du mit einer achtsamen Ernährung einen Gefallen tun, doch vor allem im Bezug auf das geistige Wohlbefinden entfaltet die Achtsamkeit ihre Wirkung. Psychische Belastungen wie anhaltender Stress wirken sich heutzutage im großen Maße negativ auf unsere Gesundheit aus. Es gilt, sich in Achtsamkeit zu üben, um die kräftezehrenden Situationen des Alltags gelassener überstehen zu können. Nach dem Motto „Früh übt sich, wer ein Meister werden will“ möchten wir Dir heute ein Plädoyer für einen entspannten Umgang in der Erziehung präsentieren.

Melanie Schulz

Melanie hält sich am liebsten in der Natur auf. Ein vernünftiger Konsum und eine nachhaltige Lebensweise liegen ihr sehr am Herzen.

„Der beste Aussichtsturm des Lebens ist die Gelassenheit“, sagt Ernst Ferstl. Als Lehrer muss er es wissen. Tagtäglich steht er mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt und sieht deren Konflikten und ersten Liebesdramen gelassen entgegen. Seine Einstellung ist gesund und sie ist wichtig. Seit Jahren hört man davon, dass Achtsamkeit und der wohlwollende Umgang mit sich selbst und seinen Mitmenschen unabdingbar sind, um ein zufriedenes Leben zu führen. Somit ist sie auch die Basis einer guten Erziehung.

Wie schwierig es sein kann, Gelassenheit in seinen Alltag zu integrieren, haben wir in diesem Jahr besonders zu spüren bekommen. Vor allem Eltern hat die Pandemie herausgefordert, denn sie mussten sich dank der Schließung von Kindergärten und Schulen intensiver mit ihren Kindern auseinandersetzen. Ein Abenteuer der besonderen Art, obwohl es sehr ursprünglich ist, viel Zeit mit seinem Nachwuchs zu verbringen. An diesem Argument mag durchaus etwas dran sein, dennoch möchten wir es nicht romantisieren. Uns ist durchaus bewusst, dass ein Beruf plus Kindererziehung und Quarantäne nicht das reinste Zuckerschlecken war und die meisten Eltern sehr erleichtert sind, dass Schulen und Kindergärten wieder öffnen. Falls Du auch dazu gehörst, gratulieren wir Dir zu der längst überfälligen Pause von triefenden Näschen, Trotzphasen oder der berüchtigten Pubertät. Zum Glück geht es Schritt für Schritt in Richtung Normalität. Obwohl die Herausforderungen noch immer vorhanden sind, bietet die Situation auch ungeahnte Chancen in Sachen Selbstreflexion. Da wir zu den Optimisten gehören, sind wir davon überzeugt, dass Du etwas Wichtiges aus diesen Umständen mitnehmen kannst. Und zwar die hochgelobte Gelassenheit, um die wir alle wissen, der sich einige bewusst sind, aber nach der nur wenige leben. Doch wie kann man gelassener werden und dadurch sich und seinen Kindern ein entspannteres und besseres Leben bieten?

In der Ruhe liegt die Kraft

Wie oft hast Du diesen Spruch gehört? Bestimmt unzählige Male … doch wie es meistens so ist mit Sprichwörtern und Binsenweisheiten – es ist etwas dran. Trotzdem scheint es in manchen Situationen schier unmöglich zu sein, die Ruhe zu bewahren. Größtenteils in Momenten und Phasen, die Dir besonders viel abverlangen. Zum Beispiel wenn wieder mal ohne Ende gemeckert wird, wenn nichts gut genug ist und schlafen möchten nur die Eltern. Nun, es ist wahr. Kinder können nervig sein und das ist vollkommen normal. Davon ist auch der bekannte Familientherapeut Jesper Juul überzeugt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte er, dass die fehlende Zeit der ausschlaggebende Grund dafür sei, dass die Erziehung anstrengend ist. Dennoch machen es sich Eltern noch schwieriger, als es sein muss. Folgend möchten wir Dir ein paar seiner Gedanken detaillierter vermitteln. Hoffentlich findest Du sie genauso anregend wie wir – oder zumindest diskussionswürdig.

Die Sache mit dem Vorbild

Längst wird nicht mehr die mittelalterliche Vorstellung gehegt, dass Kinder als kleine Miniatur-Erwachsene Durch diese Welt stapfen sollten und ihr wildes Wesen unbedingt gebändigt werden müsse. So zumindest die Theorie. Aber stimmt das? Hin und wieder kommt es einem so vor, dass einige Eltern ihren Kindern ungeheuer viel abverlangen und mit den Gefühlen der Kleinen überfordert sind. Dies liege hauptsächlich daran, dass Eltern die Erziehung als verpflichtend ansähen, deshalb sei der Stress ein ständiger Begleiter. Anstatt sich ständig den Kopf darüber zu zerbrechen, ob Du heute ein gutes Vorbild für Dein Kind warst, solltest Du Dir laut Juul einfach sagen, dass Du grundsätzlich ein Vorbild bist. In seiner Vorstellung gibt es in dieser Hinsicht kein Richtig oder Falsch. Denn selbst, wenn Du etwas gemacht hast, das sich als Fehler entpuppt, können Du und Dein Kind daraus lernen.

Sei einfach authentisch!

Indem Du Deinem Kind etwas vormachst, ist ihm nicht geholfen und Dir auch nicht. Demnach ist Authentizität ein bedeutsames Stichwort. Du solltest dazu stehen, wenn Du einen furchtbaren Tag auf der Arbeit hattest und deswegen gestresst bist. Egal, ob Du erschöpft, wütend oder traurig bist, teile Dich mit. Kinder müssen unbedingt sehen, wie Erwachsenen mit Emotionen umgehen, auch und vor allem mit negativen. Nur so können sie lernen, selbst damit klarzukommen. Du siehst: Indem Du es Dir einfacher machst und Dich Deinem Kind zeigst, gibst Du ihm unglaublich viel für seinen Lebensweg mit. Kinder lernen zwar sehr schnell das Gefühl der Frustration kennen, aber den Umgang damit kannst nur Du ihnen beibringen. Da es uns tagtäglich passiert, dass wir frustriert sind, ist es unabdingbar, diese Emotion zu integrieren, schließlich leben wir mit ihr, sie ist ein Teil von uns.

Außerdem festigt Authentizität die Beziehung zwischen Dir und Deinem Kind. Je echter Du bist und je mehr Du Deinem Kind mit Respekt und Vertrauen begegnest, desto stärker wird eure Beziehung, weder Strafen noch Belohnungen sind hier ein erwünschtes Mittel. Der Familientherapeut findet hier ein treffendes Beispiel. Kannst Du Dir vorstellen, Deinen Partner zu bestrafen, wenn er zu laut Musik gehört hat? Nach dem Motto „Jetzt fällt die Sportschau aus!“? Oder umgekehrt, er macht es vollkommen richtig und Du belohnst ihn mit einer halben Stunde Fernsehzeit? Das wäre mehr als komisch und genauso sollte es in der Kindererziehung gehandhabt werden. Natürlich unterscheiden sich diese Beziehungen, allerdings sind die Grundlagen sehr ähnlich. Immerzu sollte man miteinander kommunizieren und den anderen akzeptieren, es geht darum, präsent zu sein und aufeinander einzugehen.

Klare Kommunikation

Auf das Kind einzugehen und konsequent zu sein klingt nach einer fast unmöglichen Aufgabe für so manchen. Doch es ist möglich. Nehmen wir die berühmte morgendliche Situation: Das Kind trödelt und Mama oder Papa wollen endlich aus dem Haus. An dieser Stelle ist es wichtig, deutlich zu kommunizieren, eine Zeitangabe zu machen. In diesen geforderten 5 oder 10 Minuten ist es von Belang, nicht weiter nachzuhaken, sondern das Kind gewähren zu lassen. Sobald die Marke überschritten ist, kannst Du ruhig äußern, dass Du frustriert bist. Es ist erlaubt zu weinen, zu toben und seinen Unmut zu verdeutlichen, natürlich darf das Kind dabei nie verletzt werden. Dein Nachwuchs ist viel verwundbarer, weil er noch offener und toleranter ist. Es kommt nicht von ungefähr, dass man sagt, dass Kinder reinen Herzens sind. Verletzungen führten zu Angst und wir sind das Paradebeispiel dafür. Statt verletzende Aussagen zu treffen und den Kindern Anschuldigungen um die Ohren zu werfen, solltest Du Ich-Botschaften senden. Bestimmt kennst Du das Problem mit dem Zubettgehen, es klappt nicht. Versuche es einfach das nächste Mal damit, Dein Kind zu fragen, was es in diesem Moment braucht. Zum Beispiel so: „Ich bin wirklich ratlos und möchte nicht jeden Abend diesen Kampf kämpfen. Kannst Du mir helfen und sagen, was Du brauchst?“ Zugegeben, das mag gewöhnungsbedürftig sein, soll aber wahre Wunder bewirken.

Kinder wollen keine Aufmerksamkeit

Wir haben es bereits erwähnt, Kinder brauchen Vorbilder. Sie wollen das Erwachsenenleben sehen und miterleben. In Krippe, Kindergarten und Co. lernen sie schon genug über das Kindsein, indem sie singen und tanzen. Sie beginnen sogar zu leiden, wenn die Eltern sich keine Zeit für sich selbst oder ihre Ehe nehmen, denn ein Kind braucht auch hier eine Vorbildfunktion. Ansonsten wird es sich später im Erwachsenenleben ebenso vernachlässigen und darüber frustriert sein. Also kannst Du Dir sicher sein, dass der nächste Pärchen-Abend ansteht oder Du mal wieder mit Deinen Freundinnen ausgiebig reden solltest, wenn sich all Deine Aufmerksamkeit auf Dein Kind lenkt. Natürlich möchtest Du nur das Beste, trotzdem tust Du weder Dir noch Deinem Sprössling einen Gefallen, wenn Du Dich ausschließlich auf ihn fokussierst.

Einfach mal genießen

Als Fazit möchten wir Dir einen besonders schönen Gedanken von Jesper Juul an die Hand reichen. Und zwar die Erziehung einfach mal zu ignorieren und sein Kind zu genießen. Lass Dir die Welt aus einem anderen Blickwinkel zeigen und Dich davon bereichern. Ruf Dir ins Gedächtnis, dass es in Ordnung ist, wenn es drei Tage infolge nicht so fantastisch funktioniert mit dem Zubettbringen. Alle Ratgeber und kritischen Augen sollten außer Acht gelassen werden, keiner von uns ist eine kleine Maschine. Auch Du kannst mal besser oder schlechter schlafen, keine Lust haben eine Gutenachtgeschichte vorzulesen und gerne mal ein bisschen länger mit Deinem Kind spielen, als es angedacht war. Kinder sind ein natürlicher Teil des Lebens. Mach Dir klar, dass Dein Kind das Meiste vom Zusammenleben lernt, nicht von dem, was eigentlich erziehen soll. Nimm Dir ihr Feedback zu Herzen, das Leben gelassen und pass auf Dich auf.

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