So fastet die Welt: Fasten im Buddhismus

In vielen Religionen ist es Tradition, für gewisse Zeiträume auf Nahrung zu verzichten. Empfehlungen für gesunde, nahrhafte Lebensmittel sowie Verbote von Ungesundem sind ebenfalls in jedem Kulturkreis zu finden. Bei dem großen Einfluss, den unsere Nahrung auf unser Befinden hat, ist das nicht verwunderlich. In unserer Serie „So fastet die Welt“ möchten wir Dir einen Einblick in die Fastenrituale verschiedener Kulturen und Religionen rund um den Erdball bieten. Im ersten Teil haben wir uns mit dem hinduistischen Ekadashi befasst, der zweite Teil behandelte den islamischen Fastenmonat Ramadan. Heute schauen wir uns an, wie im Buddhismus gefastet wird.

Robert Wetzel

Robert ernährt sich seit einigen Jahren vegan. Gesundheit ist für ihn ein wichtiges Thema, den harten Fakten geht er dabei gerne selbst auf den Grund.

In hinduistisch und buddhistisch geprägten Ländern wie Indien, Nepal oder Sri Lanka wird bis heute die Heilkunst Ayurveda praktiziert, welche Lehren bezüglich Ernährungsweisen und Nahrungsmitteln beinhaltet. Die Religionen und Kulturkreise, aus denen diese Traditionen stammen, haben alle ein Konzept von Nahrungsverzicht sowie von nahrhaften und teilweise auch heilenden Lebensmitteln. Da sich der Buddhismus im asiatischen Raum großflächig verbreitet hat, gibt es ihn in verschiedenen Ausprägungen mit ebenso unterschiedlichen kulinarischen Traditionen. Die Ursprünge der Fastenzeiten und Ernährungsvorschriften haben im Buddhismus einen direkten Bezug zu der jeweiligen Glaubenstradition oder den Lebensumständen der Menschen. So zum Beispiel auch die Rückzugszeit „Vassa“.

Monsunzeit – Rückszugszeit

„Vassa“ bedeutet übersetzt „Regen“ und wird von Außenstehenden auch als buddhistische Fastenzeit bezeichnet. Der Ursprung liegt allerdings im Umgang der indischen und südostasiatischen Zivilisationen mit der Monsunzeit. Schon vor der Zeit des historischen Buddhas waren Umherwandernde dazu angehalten, sich in der Regenzeit in einer Residenz zurückzuziehen. Das geschah aufgrund teils unpassierbarer Wege sowie aus Rücksicht auf die frisch sprießenden Pflanzen und die Insekten, Reptilien und andere Tiere, welche während der Monsunzeit in den Feldern hätten zertreten werden können. Die Praxis wurde als Vorschrift in die buddhistische Tradition mit aufgenommen. So kommt es, dass die dreimonatige Monsunzeit, etwa von Juli bis Oktober, für eine generelle Entschleunigung und intensivere Meditationspraxis genutzt wird. Das Fasten spielt dabei insofern eine Rolle, als dass es die Mönche bei der Meditation unterstützt. Dabei wird, mit der Vorschrift, nach Sonnenhöchststand nur noch Tee oder Wasser zu sich zu nehmen, Intervallfasten im 16-zu-8-Rhythmus praktiziert.

„Vassa“ wird besonders von Anhängern des Theravada-Buddhismus ausgeübt. In Thailand ist der erste Tag der Regenzeit, genannt Khao Phansa, ein nationaler Feiertag und in anderen Ländern wie Sri Lanka, Burma, Laos oder Kambodscha wird der Beginn sowie das Ende (genannt Ok Phansa) von Vassa feierlich begangen. Im Mahayana-Buddhismus findet die traditionelle Rückzugszeit hingegen keine sonderliche Beachtung. Diese Schule der Religion hat sich hauptsächlich in Gegenden ohne vergleichbar ausgeprägte Regenzeit wie China und Japan entwickelt und verbreitet. Dementsprechend bestand für die Mönche in diesem ökologischem Umfeld keine Notwendigkeit, Wanderschaften einzustellen.

Buddhas edler achtfacher Pfad

Der Umgang mit Essen wurde vom historischen Buddha selbst, dem Begründer der Religion, thematisiert. Er berichtet über seine Erfahrung, durch Fasten zu versuchen, einen klareren Geisteszustand zu erreichen. Dabei ging er soweit, dass er sich von sieben Löffeln, die er erbettelte, bis zu einem Reiskorn pro Tag ernährte. Zwischendurch legte er längere Perioden von bis zu zwei Wochen ohne Nahrungsaufnahme ein. Mit dieser Methode erreichte sein Körper den Zustand „äußerster Auszehrung“. Die erhoffte spirituelle Erfahrung blieb allerdings aus. Die beiden konträren Lebensumstände, die Siddhartha Gautama – der historische Buddha – erfahren hatte, brachten ihn auf die Erkenntnis des mittleren Weges. Zum einen das frühere Leben als unbekümmerter Sohn eines Fürsten, zum anderen das Leben in strenger Askese. Die Extremen, sich dem „Genuss der Sinnesfreuden“ hinzugeben oder aber der „Selbstqual“, haben beide negative, leidvolle Auswirkungen. Daraus formulierte er den „edlen achtfachen Pfad“, um aus dem Leiden auszutreten: Rechte Ansicht, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Tun, rechter Lebensunterhalt, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und rechte Konzentration. Diese bewusste und achtsame Lebensweise schlägt sich auch auf den Umgang mit Ernährung nieder. So lobt Siddhartha Gautama sich zu mäßigen, eine längere Fastenperiode als Form der spirituellen Praxis lehnt er dennoch ab. Aufgrund dessen nehmen buddhistische Mönche nach dem Mittag nur noch Flüssiges zu sich. Im Prinzip ist somit eine gewisse Art von Intervallfasten in der buddhistischen Tradition verankert. Das sorgt für einen ausbalanciertes körperliches Befinden. Auf diese Weise steht den Mönchen beim Meditieren kein Hunger- oder Völlegefühl im Weg. Gleichzeitig wird der Körper entschlackt. Die Fettverbrennung wird verbessert und die körpereigenen Reinigungsfunktionen und der Abbau von Cholesterinablagerungen werden in Gang gesetzt.

Uposatha – der buddhistische Sonntag

Diese Praxis findet bei der buddhistischen Glaubensgemeinschaft in Form des Uposatha-Tags einmal in der Woche Anwendung. Je nach Zugehörigkeit fallen die Tage auf jeweils andere Daten. Der Uposatha ist ein Tag der inneren Einkehr und der besonderen Beachtung und Erneuerung der Silas. Das sind Übungsregeln wie etwa Abstand von Rauschmitteln, Lügen, sexuellen Handlungen und Ähnlichem zur Entwicklung von Sittlichkeit. Zusätzlich befolgen Buddhisten die acht Tugendregeln worunter auch das Fasten ab der Mittagszeit fällt.

In vom Theravada-Buddhismus geprägten Ländern sind die Uposatha auch Feiertage. Sogenannte Laienpraktizierende können sich in dieser Zeit in Klöstern einfinden und den Dhamma-Vorträgen der Mönche zuhören und meditieren. Neben dem Element des Nahrungsverzichts findet sich wie auch in anderen Religionen der Fokus auf spiritueller Besinnung. Das Vesakh-Fest zu Ehren Buddhas, dem größten internationalen buddhistischen Feiertag, wird von Teilen der Glaubensgemeinschaft vergleichbar besinnlich wie der Uposatha zelebriert. Der andere Teil der Buddhisten feiert dagegen mit faschingsähnlichen Umzügen, weshalb man den Vesakh wohl nicht als Fastentag verallgemeinern kann.

Neben den Traditionen des Fastens, wird natürlich auch gegessen. Die Ernährungsweise die der Buddhismus generell präferiert ist eine vegetarische. Für seine Ernährung kein empfindungsfähiges Wesen zu töten, ist am besten mit der buddhistischen Verhaltenslehre vereinbar. Zudem liefert die Flora in den Gebieten, in denen sich der Buddhismus ausgebreitet hat, eine optimale Grundlage für eine eine ausgewogene vegetarische Ernährung. Doch auch hier kann nicht verallgemeinert werden. In Japan waren nicht überall die gleichen fruchtbaren Bedingungen wie in Südostasien gegeben. Der Verzehr von Hühnern, Fischen oder Meerestieren sowie Insekten wurde somit erlaubt. Den Lebensbedingungen hat sich der Buddhismus immer entsprechend angepasst, ohne seine grundlegende Lehre außer Acht zu lassen. Die besonnene Art der Ernährung aber auch dem Leben selbst gegenüber ist eine positive und bewusste Herangehensweise.

Egal bei welcher Diät oder welcher Form der Ernährung – Achtsamkeit gegenüber unserem Essen und wie es auf unseren Körper wirkt, ist von entscheidender Bedeutung. Leider wird dieser Aspekt in unserer Gesellschaft häufig ausgeblendet. Dabei ist ein achtsames und ausgewogenes Essverhalten nicht nur gut für Deine physische Gesundheit, sondern kann Dich generell bei einer angenehmeren Lebensführung sehr unterstützen.

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