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So fastet die Welt: Ramadan

In unserer Serie „So fastet die Welt“ möchten wir Dir einen Einblick in die Fastenrituale verschiedener Kulturen und Religionen rund um den Erdball bieten. Nicht umsonst ist das Fasten weltweit verbreitet – wegen seiner positiven Effekte auf Geist und Körper wird es auch schon seit langer Zeit praktiziert. Wir wollen unterschiedliche Herangehensweisen und Techniken betrachten, die uns auch für die eigenen Fastenrituale als Inspiration dienen können. Im ersten Teil unserer Reihe haben wir das hinduistische Ekadashi unter die Lupe genommen. In diesem Artikel wollen wir Dir den islamischen Fastenmonat Ramadan näherbringen.

Als eine der fünf Säulen des Islam ist das Fasten (Saum) fest in der religiösen Tradition verankert. Es wird als eine generelle Enthaltung (imsak) von weltlichen Einflüssen in allen Bereichen des Alltags definiert. Dennoch sollte diese Praxis nicht ohne den zivilisatorischen Kontext in dem sie entstanden ist, betrachtet werden. Fasten ist mittlerweile eine bekannte Methode, seinen Körper zu entlasten und zu reinigen. Vorhergegangene Gesellschaften praktizierten den Nahrungsverzicht mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Die folgende Zusammenfassung soll Dir einen Überblick darüber verschaffen, wie diese Methode im islamischen Kulturkreis angewandt wurde.

Mit der beginnenden Ausbreitung des Islams im arabischen, nordafrikanischen und andalusischen Raum ab dem 7. Jahrhundert entwickelten sich verschiedene medizinische Traditionen und Schulen. Vorstellungen und Erkenntnisse der antiken und byzantinischen Medizin können dabei als Ausgangspunkt angesehen werden. Noch während des Kalifats der Umayyaden, dem Familienclan des Religionsgründers Mohammed, kam es zu intensiver Auseinandersetzung mit der Medizin. Dieses Wissen fand von Alexandria aus, dem geistigen Zentrum der Antike, Eingang in die entstehende islamische Kultur. Die Leistung der Gelehrten war es, dieses bestehende Wissen zu systematisieren und daran anzuknüpfen. Begünstigt durch die Unterstützung der machthabenden Kalifen konnte beispielsweise das 825 in Bagdad gegründete „Haus der Weisheit“ entstehen. In solchen frühen Institutionen konnten sich Gelehrte verschiedener geisteswissenschaftlicher Disziplinen weiterbilden und ihre Erkenntnisse festhalten. Als bedeutendstes Werk gilt der aus dem 10. Jahrhundert stammende „Kanon der Medizin“ des persischen Gelehrten Avicenna. In diesem Werk wird der damalige Wissensstand der mittelalterlichen islamischen Welt systematisch zusammengefasst. Die auf Arabisch verfasste medizinische Literatur beeinflusste daraufhin europäische Ärzte und Gelehrte. Diese lasen unter anderem die klassischen antiken Werke zunächst in arabischer Übersetzung. Die lateinischen Übersetzungen, die Sprache der Wissenschaft im christlichen Westeuropa des Mittelalters, wurden erst im 12. Jahrhundert angefertigt. Die Bedeutung der Arbeit der arabisch-islamischen Gelehrten wird deutlich, wenn bedacht wird, dass „Der Kanon der Medizin“ vom 14. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert in europäischen Universitäten als „Canon medicinae“ als Standardwerk der medizinischen Ausbildung galt. Des Weiteren soll die wissenschaftliche Kultur im Emirat von Cordoba, im heutigen Spanien, ab dem 11. Jahrhundert nicht unerwähnt bleiben. In dem intellektuellen und kulturellen Zentrum trafen jüdische, christliche und islamische Traditionen zum Nutzen der Wissenschaft aufeinander.

Es ist bekannt, dass Fasten gesundheitliche Vorteile haben kann. Im Fall des Ramadans wurden medizinische Erkenntnisse in Form von religiöser Tradition weitergegeben. So setzt ein Fastenverbot für zum Beispiel Schwangere, Kinder oder Reisende einen Wissenstand über die Verfassung des Menschen in verschiedenen Lebenslagen voraus, sowie um die Gefahr des Nahrungsverzichts. Dem islamischen Propheten Mohammed war die Praxis des Fastens aufgrund der auf der arabischen Halbinsel ansässigen christlichen und jüdischen Gemeinden wahrscheinlich schon vor seiner Auswanderung aus Mekka nach Medina (Hidschra) bekannt. In diese Zeit fällt auch die Offenbarung des Korans an den Propheten. Diese werden nach dem Ort der Offenbarung in die mekkanischen und medinensischen Suren unterteilt. Das Fasten wird in beiden zeitlichen Einteilungen erwähnt. Deutlichere Vorgaben bezüglich der Umsetzung werden auf das zweite Jahr (623–624) nach der Hidschra datiert. Die Präzisierung dieses Inhalts geschah durch das Heranziehen der Hadithe, die Überlieferungen über die Handlungen und Aussprüche Mohammeds sowie der islamischen Rechts- bzw. Normenlehre, der Fiqh. So fällt die Fastenzeit auf den neunten Monat Ramadan („der heiße Monat“) des islamischen Mondkalenders. Der Ramadan wird traditionellerweise mit der Sichtung der Mondsichel (Hilal) eingeleitet. Der in Saudi-Arabien verwendete Mondkalender welcher sich auf astronomische Berechnungen stützt, wird allerdings nicht von allen Muslimen anerkannt. Dementsprechend wird der Beginn des Fastenmonats bis heute kontrovers diskutiert.

Während des Ramadans soll täglich ab Sonnenaufgang gefastet werden. Das Fastenbrechen kommt mit dem Sonnenuntergang. Die abendliche Speise wird Iftar, das letzte Mahl vor Sonnenaufgang wird Sahūr genannt. In der Hadithenliteratur wird tendenziell das Sahūr zur Pflicht erklärt. Empfohlen wird vor allem die Einnahme von Datteln. An anderen Stellen soll Gerstenbrei, Essig und Wasser vor Tagesbeginn verzehrt werden. Tagsüber soll man den weltlichen Einflüssen gegenüber Verzicht leisten. Die Enthaltung von Nahrung, Rauchen, Geschlechtsverkehr und Trunkenheit sind dabei so wichtig wie die Vermeidung von Lügen, Beleidigungen und übler Nachrede. Jeder volljährige Muslim ist zum Fasten verpflichtet, solange er körperlich und geistig dazu in der Lage ist. Die Pflicht wird gegenüber Reisenden, Kranken, Kindern und menstruierenden, stillenden oder schwangeren Frauen aufgehoben. Fasten während der Schwangerschaft kann zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Der höhere Energie- und Nährstoffbedarf einer schwangeren Frau kann nicht durch zwei Speisen in der Nacht gedeckt werden. Die Unterbrechung des Schlafrhythmus hat ebenfalls negative Auswirkungen. Die versäumten Tage müssen nach Wegfall der Gründe nachgeholt werden. Sollte eine längere Periode des Nahrungsverzichts aufgrund des Alters oder einer chronischen Krankheit nicht möglich sein, soll dafür ein Ersatz für das Fasten (Fidyah) erbracht werden. Im Anschluss an den Ramadan wird drei Tage lang das „Fest des Fastenbrechens“ oder „Eid al-Fitr“, auch „Zuckerfest“ beziehungsweise „Şeker Bayramı“ gefeiert. Als zweitwichtigster islamischer Feiertag, neben dem Opferfest, wird das Fastenbrechen als Glaubensgemeinschaft sowie im Kreise von Familie und Bekannten festlich zelebriert.

Nach heutigem Stand ist nachgewiesen, dass Fasten Bluthochdruck senkt. Zudem aktiviert der Körper durch den sinkenden Insulinspiegel beim Fasten selbstreinigende Prozesse, sodass es auch entzündungshemmend wirkt. Während des Ramadan wird rund 16 Stunden auf Nahrung verzichtet. Wenn die Energie, die mit der Nahrung vor Sonnenaufgang aufgenommen wurde, verbraucht ist, schaltet der Körper auf den Hungerstoffwechsel um. Wobei zum Beispiel ballaststoff- oder kohlehydratreiche Lebensmittel den Blutzuckerspiegel oben halten und diesen Prozess hinauszögern. Zunächst wird die in Organen und Muskeln eingelagerte Energie und danach die Fettreserven bereitgestellt. Vor allem in den letzten Stunden des Tages wird es zu Ermüdungserscheinungen kommen. In der Regel kann sich ein gesunder Körper aber gut darauf einstellen. Auf Flüssigkeiten zu verzichten ist dagegen etwas problematischer. Durch den Mangel an Wasser wird das Blut dicker und fließt dadurch langsamer. Der damit zusammenhängende, sinkende Blutdruck kann zu Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsproblemen führen. Da das Fasten auch das Kühlsystem des Körpers beeinflusst, in dem es die Schweißproduktion hemmt, können vor allem hohe Temperaturen zu Schwächeanfällen führen.

An sich kann der Ramadan zur Stärkung der körperlichen und geistigen Gesundheit führen wenn darauf geachtet wird, was man beim Fastenbrechen isst. Da die gesellschaftlichen Umstände andere sind als zu den Anfangszeiten des Islam, gibt es keine eindeutigen Verbote bezüglich der Nahrungswahl beim täglichen Fastenbrechen. Stark gewürzte, fettige und frittierte Nahrungsmittel reizen und überfordern den Magen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Magenschmerzen, Verdauungsproblemen, Sodbrennen oder Gewichtszunahme. Beim Sahur sollte die Mahlzeit aus langanhaltend sättigenden Lebensmitteln wie Bohnen, Nüssen, Haferbrei mit Trockenfrüchten oder Fisch bestehen. Dazu können Obst und Gemüse mit hohem Wasseranteil verzehrt werden. Lebensmittel mit komplexen Kohlenhydraten und hohem Ballaststoffgehalt sind zu empfehlen. Beim abendlichen Fastenbrechen (Iftar) sollte nicht nur die Art der Nahrung, sondern auch die Menge entsprechend gewählt werden. Geht man nach dem Vorbild des Propheten nimmt man zunächst Datteln und Milch zu sich. Danach können Eiweiss- und Vitaminreiche Lebenmittel zu sich genommen werden.





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